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Public Sociology als Problem der Soziologie

  • Nils C. Kumkar studierte Soziologie und VWL an der Georg-August-Universität Göttingen und promovierte 2016 mit einer Arbeit zu Krisenprotesten in den USA und Deutschland an der Universität Leipzig und arbeitet seitdem am SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik an der Universität Bremen. Im Wintersemester 2025/26 vertritt er die Professur für Soziologie, insbesondere soziologische Theorie, an der Universität Bamberg.

    Forschungsschwerpunkte: Soziologische Theorie; Kultursoziologie; qualitative Methoden; Fragen der gesellschaftlichen Selbstbeobachtung; soziale Ungleichheit; Protest und Kritik. Wichtigste Publikationen: Polarisierung: Über die Ordnung der Politik, Berlin 2025; Science ist Meins? Wissenschaftsskepsis als Problem der politischen Öffentlichkeit. Österreichische Zeitschrift für Soziologie 50, 2025, https://doi.org/10.1007/s11614-025-00602-9; Gesellschaftliche Polarisierungen und soziologische Positionierungen: Theoretische Reflexionen erhellenden Widerstreits. Soziologie 54, 2025: 7–33 (mit U. Schimank); Das Böse dahinter: Verschwörungstheorie, Populismus und die Kommunikation affektiver Polarisierung. Zeitschrift für theoretische Soziologie 13, 2024: 114–140.

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Published/Copyright: February 17, 2026
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Kaum jemand dürfte bestreiten, dass in den vergangenen Jahren ein starkes öffentliches Interesse an der Soziologie zu beobachten war. Nicht zuletzt der Publikumserfolg soziologischer Monografien in den vergangenen zehn Jahren – von der „Rückkehr nach Reims“ (Eribon 2016) über „die Gesellschaft der Singularitäten“ (Reckwitz 2017) und die „gekränkte Freiheit“ (Amlinger und Nachtwey 2022) bis zu „Triggerpunkte“ (Mau u. a. 2023), um nur einige Schlaglichter zu werfen – spricht in dieser Hinsicht eine deutliche Sprache. Dieser Publikumserfolg der Soziologie findet zugleich in einem Kontext statt, in dem die Frage, was genau die Rolle der Wissenschaften in der öffentlichen Debatte eigentlich sein kann und soll, intensiv diskutiert wird.

Die Diversität der öffentlichen Einlassungen aus der Soziologie, wie auch die verschiedenen Kontexte, in denen sie zur Kenntnis genommen und/oder verhandelt werden, erzeugt eine schier unüberschaubare Komplexität rund um die öffentliche Wissenschaftskommunikation der Soziologie. Dazu zählen z. B. die Fragen, ob soziologische Fachverbände politisch Stellung beziehen sollten (Wohlrab-Sahr 2026), und was solche Stellungnahmen dann selbst wieder aus soziologischer Sicht sind; und ob die Soziologie durch ihr Verständnis der Komplexität der Übersetzung von Wissenschaft und Politik einen unverzichtbaren Beitrag zur Relativierung einer problematischen „Epistemisierung des Politischen“ (Bogner 2021) leistet oder ob es sich dabei nicht um eine Epistemisierung zweiter Ordnung handelt. Im Folgenden soll es jedoch nicht um diese Fragen gehen, sondern ich möchte mich einem zumindest theoretisch verhältnismäßig klar zu umreißenden Problemkomplex widmen, von dem ich meine, dass er in einem Editorial einer Fachzeitschrift den richtigen Ort und ein hoffentlich geneigtes Publikum findet: Im Rahmen einer differenzierungstheoretischen Lesart von Burawoys Konzept der Public Sociology als eines ausdifferenzierten Teils soziologischer Kommunikation möchte ich kurz darstellen, worin die minimale Funktion solcher, direkt an die politische(n) Öffentlichkeit(en) adressierten soziologischen Interventionen bestehen könnte. Anschließend möchte ich die Frage aufwerfen, wo bei der Erfüllung dieser Funktion aktuell Defizite zu befürchten sind, zu deren Behebung auf Seiten der Soziologie etwas unternommen werden könnte – um dann in aller Kürze und Vorläufigkeit Vorschläge eben dazu zu skizzieren.

Der kürzlich verstorbene Michael Burawoy popularisierte, vor allem in seiner Amtszeit als Präsident der American Sociological Association (ASA) und später der International Sociological Association (ISA), das Konzept der Public Sociology (Burawoy 2005a; 2005b). Er unterscheidet dabei von Beginn an die Public Sociology von der (i) Professional Sociology, die wohl am ehesten dem entspricht, was man unter dem Binnendiskurs einer ausdifferenzierten Wissenschaft fassen kann; (ii) der Policy Sociology, die dem klassischen Bild der Expertise folgt; sowie (iii) von der Critical Sociology, die auf die blinden Flecken und instrumentellen Vereinseitigungen der soziologischen Beobachtung der Gesellschaft reflektiert. Dieser Vorschlag löste in der US-amerikanischen – und mit leichter Verzögerung auch in der deutschsprachigen – Soziologie intensive Debatten aus. Die Kritik konzentrierte sich dabei vor allem auf den „ritterlichen“ (Siri 2020) programmatischen Charakter, den Burawoy diesem Konzept mit auf den Weg gab, und insbesondere auf die großen gesellschaftlichen Emanzipationshoffnungen, die er mit der Public Sociology als von ihm doch offenkundig privilegierten Teilbereich der Soziologie weckte (z. B.: Neidhardt 2017; Ghamari-Tabrizi 2005; Siri 2020).

Tab. 1:

Differenzierung der Soziologie nach Burawoy (eigene Darstellung)

Instrumentelles Wissen

Reflexionswissen

Externes Publikum

Policy Sociology

Public Sociology

Fachinternes Publikum

Professional Sociology

Critical Sociology

Versteht man das Konzept weniger programmatisch und eher im Sinne eines Feldes in einem klassischen Parsons‘schen Vier-Felder-Schema, das die Leistungen und Funktionen der Soziologie im Hinblick auf das politische System ordnet, scheint mir das Schema und damit auch die Kategorie der Public Sociology allerdings ziemlich einleuchtend und dennoch informativ: Oder würde wirklich jemand bestreiten, dass Soziologie, um als ausdifferenzierte Disziplin bestehen zu können, einen geschlossenen Fachdiskurs (Professional Sociology) benötigt; sich (nicht zuletzt gegenüber ihren Geldgebern) darin beweisen muss, für sich ändernde, extern als solche an sie herangetragene Problemlagen als Entscheidungsgrundlagenwissen fungierende Ergebnisse zu produzieren (Policy Sociology); als Teil der Gesellschaft, die sie zugleich abzubilden beansprucht, auch auf ihren eigenen Realitätseffekt reflektieren muss (Critical Sociology); und dass sie in einer Gesellschaft, die sich selbst wissenschaftlich beobachtet, einen Beitrag dazu leistet, wie die politische Öffentlichkeit sich und ihre Probleme fasst und debattiert (Public Sociology)?[1] Was auch immer Soziologie sonst noch alles kann, braucht und leistet: das scheint in der Tat ein plausibler Kandidat für Grundanforderungen.

Vermutlich wäre dieses Schema nicht zu jeder Zeit auch als eines einer fachinternen Arbeitsteilung gelesen worden. Über weite Strecken der Nachkriegssoziologie dürfte vielmehr gelten, dass die professionelle Soziologie in ihren Problemstellungen und ihren Binnendiskursen von einem allgemeineren Diskurs der politischen Öffentlichkeit nicht so klar abgeschieden war, auch weil ihr Binnendiskurs sich nicht zuletzt der Form der „soziologischen Kontroverse“ (Kneer & Moebius 2010) zugleich vollzog und öffentlich sichtbar machte. Die selbstverständliche Einheit von Gegenwartsbeobachtung und Gesellschaftstheorie, die Müller (2021) kürzlich für die soziologischen Klassiker festhielt ist in diesem Sinne zumindest auch ein Effekt davon, dass die Gesellschaftstheorie ganz selbstverständlich immer auch auf ihren Charakter als potenzielle politische Stellungnahme hin beobachtet wurde (und sich auch selbst so beobachtete). Institutionalisierte Formen der Professionalisierung des fachinternen Diskurses zum Beispiel durch das Double-Blind-Peer-Review, bei dem diese Zeitschrift in Deutschland eine Pionierrolle einnahm (Schimank 2023), setzten sich erst in einem Moment flächendeckend durch, in dem aus anderer Warte bereits über eine Krise der Soziologie nachgedacht wurde. Vielleicht ist es gar nicht abwegig, diese beiden Entwicklungen in einem gegenseitigen Bedingungsverhältnis zu sehen: Die Verlagerung weg von den öffentlich ausgetragenen, immer den Index politischer Konflikte mitführenden Großdisputen hin zu fachinternen verwissenschaftlichten Debatten führte sowohl zur Autonomisierung der Soziologie als wissenschaftlicher Disziplin als auch zur Abnahme des öffentlichen Interesses an eben diesen Debatten.

Dieser Rückgang des Interesses hat sich aber mit der Critical Juncture, also der Phase beschleunigten sozio-politischen Umbruchs beziehungsweise der Polykrise der vergangenen Jahre, umgekehrt. Noch 2011 rätselte Wolfgang Streeck in einem Vortrag, warum trotz einer nie dagewesenen sozialwissenschaftlichen Alphabetisierung der Bevölkerung und einer sich zuspitzenden politischen und gesellschaftlichen Krise das Interesse an (und das Angebot von) sozialwissenschaftlichen Deutungen so gering sei (Streeck 2012). Davon kann nun wirklich nicht mehr die Rede sein – und vielleicht war der Erfolg seiner eigenen Krisendiagnose zur Eurokrise (Streeck 2013) schon ein erstes Zeichen für diese Veränderung. Deutlicher noch hat der globale Aufstieg des sogenannten Rechtspopulismus – und hier vor allem die erste Wahl Donald Trumps – offensichtlich einen Deutungshunger der Öffentlichkeit geweckt und in der Corona-Pandemie fragte sich sogar der Spiegel, ob die Soziologie zu den „Krisengewinnlern“ zu zählen sei (Farzin & Laux 2023: 1).

Vor allem über das Genre der Zeit- bzw. Gegenwartsdiagnose (vgl. z. B. Osrecki 2011) als eines besonders einflussreichen Subtyps sind in den vergangenen Jahren Erfolgsbedingungen und Besonderheiten der Public Sociology erforscht worden (Aulenbacher u. a. 2017; Selke u. a. 2023). Zusammengefasst und auf die vorgeschlagene Viergliederung der Soziologie bezogen, lässt sich – zugegebenermaßen etwas holzschnittartig – daraus ziehen, dass Public Sociology als strukturelle Kopplung zwischen politischer Öffentlichkeit und Soziologie für die Öffentlichkeit die Funktion hat, deren eingespielte Selbst- und Problemwahrnehmung zu irritieren und damit idealerweise die politische Debatte dadurch reichhaltiger zu machen, dass sie den Raum möglicher Probleme und ihrer Bearbeitungen erweitert. Sie bietet also gerade nicht wie die Policy Sociology im Sinne klassischer Expertise Entscheidungsgrundlagenwissen an, sondern fordert vor allem den Dialog darüber hinaus, was es überhaupt zu entscheiden gibt und trägt so zur sozialwissenschaftlichen Selbstaufklärung der Öffentlichkeit (vgl. Dewey 2024) bei. Dass sie das in einer Form tut, die auf massenmedialen Anschluss zielt, indem sie zur Zuspitzung und Übergeneralisierung gleichzeitig neigt und dementsprechend die Gepflogenheiten des wissenschaftsinternen Diskurses zumindest stellenweise hintenanstellt, ist weniger Hindernis als vielmehr Bedingung genau dieser Funktion, als Irritation in eine Öffentlichkeit zu wirken, die sich massenmedial beobachtet und konstituiert – was sie von Critical und Professional Sociology unterscheidet, die (primär) auf den soziologischen Binnendiskurs zielen, aber auch von der Policy Sociology, die als Entscheidungsgrundlagenwissen ein sehr viel klarer umrissenes externes Publikum anvisiert.

Dafür wäre nun allerdings wünschenswert, dass es der Public Sociology gelingt, diesen Unterschied für die Öffentlichkeit auch beobachtbar zu machen. Ein soziologisches Deutungsangebot zum Aufstieg der extremen Rechten ist etwas anderes als eine Expertise zu ihrer Bekämpfung, aber eben auch etwas anderes als eine einfache politische Meinungskundgabe – und bei der Sichtbarmachung dieser Differenz kann man durchaus einige Defizite feststellen. Um dem Anspruch einer Aufklärung der Öffentlichkeit über sich selbst und ihre Probleme gerecht werden zu können, muss man zwischen Skylla und Charybdis, zwischen für die Öffentlichkeit steriler Verdopplung des soziologischen Binnendiskurses und szientistischem Publikumsbetrug (der sich als Expertise ausgibt) hindurchnavigieren. Es muss also irgendwie gelingen, den Charakter soziologischer Interventionen als Reflexionsangebote so zu kommunizieren, dass zumindest wahrscheinlicher gemacht wird, dass sie in der öffentlichen Debatte auch als solche aufgenommen werden. Diese etwas verschraubte Formulierung soll deutlich machen, dass es dabei eben nicht nur darum gehen kann, als Autor:in selbst deutlich zu kommunizieren, wo man sich seiner Sache empirisch sicher ist, wo man weiß, dass man durchaus kontingente Deutungen vornimmt und wo man normativ Stellung bezieht – auch wenn man das sicher immer noch besser machen kann. Vielmehr ist es nun einmal in der öffentlichen Debatte so, dass diese Feinheiten dennoch immer wieder unter den Tisch fallen. Damit die Differenzen, auf die es hier ankommt, auch in der öffentlichen Debatte zum Tragen kommen, müssen sie nämlich auch als Debatte zum Tragen gebracht werden. Ob zitierte Studien hergeben, was an sie anschließend behauptet wird, ob statistische Ergebnisse mit hinreichender Sicherheit aussagen, was aus ihnen herausgelesen wird, ob die Interpretation von Interviews methodologisch solide ist – das wird zum Beispiel in den meisten Publikumsmonografien nicht durch einen anonymen Peer-Review Prozess abgeklopft, und als potentielles Problem erst dann öffentlich wirklich besprechbar, wenn es auch öffentlich problematisiert wird. Dass eine Einordnung von einem (theoretischen, sozialen, politischen…) Standpunkt abhängt versteht sich aus professionell-soziologischer Sicht oft von selbst, setzt aber eben die Kenntnis der anderen Deutungsmöglichkeiten voraus; wo diese Kenntnis nicht vorausgesetzt werden kann, erkennt man den Umstand, dass etwas soziologisch nicht unumstritten ist, aber wohl nur daran, dass Soziolog:innen sich darüber streiten.

Für die Beiträge der Public Sociology heißt das selbstverständlich nicht, dass man sich fortan nach Möglichkeit wüst beschimpfen soll – aber es ist eben doch auffällig, dass der gegenseitige (übrigens sowohl der kritische als auch der zustimmende) Bezug auf die Beiträge anderer oft sehr zurückhaltend ausgestellt wird. Es geht hier also, um das Vier-Felder-Schema der Soziologien aufzugreifen, um ein Re-Entry der Unterscheidung in die Public Sociology selbst und dabei insbesondere darum, die gegenseitige Bezugnahme, die den Diskurs der Professional Sociology ganz selbstverständlich auszeichnet, auch innerhalb der Public Sociology abzubilden. Wie genau das aussehen kann muss sicherlich praktisch erprobt werden und wird je nach Thema und beteiligten Personen unterschiedlich ausfallen. Sicher nicht ausreichend ist das Abhandeln der Beiträge anderer in einer Fußnote, besonders dann nicht, wenn dort mit einer für den Laien kaum einzuordnenden Autoritätsperformance der jeweiligen Autor:innen die Ergebnisse der Forschung von Kolleg:innen als unplausibel erledigt werden. Aber von polemischen Spitzen über die ausführlichere Explikation eigener und anderer politischer und normativer Standpunkte des Theoretisierens und Forschens bis hin zu ausführlicheren Diskussionen anderer Werke ist hier vieles denkbar.

Natürlich sollte man sich hier keinen Illusionen hingeben: Eine solche Bezugnahme wird ja nicht primär aus Unwissenheit vermieden, sondern auch, weil sie für die Autor:innen durchaus problematische Nebenfolgen haben kann – gerade, wenn man in der Zukunft noch auf sie angewiesen sein könnte, möchte man es sich mit den Kolleg:innen ja ungern verscherzen. Und die massenmediale Anschlussfähigkeit von Interventionen hängt eben auch an deren Eindeutigkeit, die sich mit zu viel Relativierung schlecht verträgt (vgl. Volkmann und Schimank 2002). Damit es also nicht beim bloßen – und aller Voraussicht nach folgenlosen – Appell an die Debattierfreude der Akteure der Public Sociology bleibt, muss dieser Anspruch an die Beiträge der Public Sociology in irgendeiner Form als Erwartungserwartung stabilisiert werden – und das geschieht vermutlich am vielversprechendsten über die Professional Sociology, über deren Diskurs ja entscheidend strukturiert wird, was als Beitrag zur Soziologie und damit eben auch was als anerkennungswürdige soziologische Leistung gelten kann.

Wünschenswert wäre aus dieser Warte vor allem eine intensivere fachinterne Auseinandersetzung mit den Interventionen der Public Sociology, die sie auf genau diese Fragen abklopft: Öffentliche Debatten zwischen den Autor:innen solcher Interventionen zu ähnlichen Problemstellungen wären hier genauso vorstellbar wie eine regelmäßigere Auseinandersetzung mit aktuellen Zeitdiagnosen in der Lehre. Fachzeitschriften, die Rezensionen veröffentlichen, könnten klar als Anspruch artikulieren, dass diese kritisch-kontrastierend erfolgen sollten, oder insgesamt gegenüber klassischen Buchrezensionen mehr Raum für Review Essays und dezidierte Sammelrezensionen freimachen. Vor allem aber könnte eine Stärkung der Kategorie „Debattenbeiträge“, die, so meine Wahrnehmung, meist mit großem Interesse von Seiten des Publikums, aber auch antwortender Autor:innen aufgenommen werden, auch Autor:innen in einen kritischen Fachdiskurs holen, die ihn nicht von sich aus gesucht hätten. Eine solche Stärkung der Reflexion der Professional Sociology auf die Güte der Public Sociology hätte in meinen Augen mindestens drei wichtige positive Effekte: Die verstärkte fachliche Resonanz auf diese Beiträge könnte es einerseits gerade für junge Sozialforscher:innen attraktiver machen, sich mit Interventionen in die Öffentlichkeit zu wagen, weil solche Interventionen dann eben auch mehr fachliches Prestige versprechen würden. Zugleich würde über die Erwartbarkeit einer solchen, eben durchaus kritischen, Resonanz hoffentlich auch die wissenschaftliche Güte der Interventionen selbst steigen und ihr Potential, damit produktiv irritierend auf die Professional Sociology zurückzuwirken, vergrößert werden. Und nicht zuletzt könnte man durchaus hoffen, dass auch die Fachzeitschriften (und die Fachöffentlichkeit insgesamt) damit das Interesse einer breiteren, an eben genau dieser Güte und dem relativen Erklärungswert der öffentlichen Deutungsangebote der Soziologie interessierten, Öffentlichkeit auf sich ziehen und damit auch einen Beitrag zur sozialwissenschaftlichen Alphabetisierung des Feuilletondiskurses leisten könnten.

Über den Autor / die Autorin

Nils C. Kumkar

Nils C. Kumkar studierte Soziologie und VWL an der Georg-August-Universität Göttingen und promovierte 2016 mit einer Arbeit zu Krisenprotesten in den USA und Deutschland an der Universität Leipzig und arbeitet seitdem am SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik an der Universität Bremen. Im Wintersemester 2025/26 vertritt er die Professur für Soziologie, insbesondere soziologische Theorie, an der Universität Bamberg.

Forschungsschwerpunkte: Soziologische Theorie; Kultursoziologie; qualitative Methoden; Fragen der gesellschaftlichen Selbstbeobachtung; soziale Ungleichheit; Protest und Kritik. Wichtigste Publikationen: Polarisierung: Über die Ordnung der Politik, Berlin 2025; Science ist Meins? Wissenschaftsskepsis als Problem der politischen Öffentlichkeit. Österreichische Zeitschrift für Soziologie 50, 2025, https://doi.org/10.1007/s11614-025-00602-9; Gesellschaftliche Polarisierungen und soziologische Positionierungen: Theoretische Reflexionen erhellenden Widerstreits. Soziologie 54, 2025: 7–33 (mit U. Schimank); Das Böse dahinter: Verschwörungstheorie, Populismus und die Kommunikation affektiver Polarisierung. Zeitschrift für theoretische Soziologie 13, 2024: 114–140.

Literatur

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Wohlrab-Sahr, M., 2026: Transitionen und Transition. Soziologie 55: 7–14.Search in Google Scholar

Online erschienen: 2026-02-17
Erschienen im Druck: 2026-02-27

© 2026 bei den Autorinnen und Autoren, publiziert von Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston

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Downloaded on 31.3.2026 from https://www.degruyterbrill.com/document/doi/10.1515/zfsoz-2026-2005/html
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